Buntspecht-Weibchen an einer Spechtschmiede

Es ist nicht schwer, die Stelle im Wald wieder zu finden, an der wir (mein Mann und ich) vor einer Woche schon einmal standen. Nur wenige Meter neben dem Weg, fast direkt am Ufer eines kleinen Waldsees, entdecke ich sie: Völlig unspektakulär und so ganz anders, wie ich mir eine Spechtschmiede vorgestellt hatte.

Spechtschmiede gesamt und von vorne, Detail

Die Spechte haben in einem alten Balken, der am Stamm einer Kiefer lehnt, in etwa zwei Metern Höhe eine kleine, nach unten sich verengende Mulde angelegt. Ein Kiefernzapfen mit deutlichen Bearbeitungsspuren hängt noch darin. Unterhalb der Mulde sind Kotspuren auf dem Stamm zu sehen. Auf dem Waldboden liegen einige duzend Kiefernzapfen.

Buntspecht-Weibchen sitzt vor einem Zapfen

Kurz bevor wir diesen wundervollen Ort verlassen wollen, geht mein Blick noch einmal zurück in den Wald hinter uns. Ich kann gerade noch meinem Mann zuflüstern: „Er kommt“, als ein Buntspecht-Weibchen mit einem Zapfen im Schnabel zu der Spechtschmiede fliegt, den mitgebrachten Zapfen einklemmt und anfängt, ihn mit dem Schnabel zu bearbeiten. Der Vogel sitzt festgekrallt am Stamm, der kurze Schwanz stützt den Vogelkörper zusätzlich. Das Buntspecht-Weibchen hämmert in kurzen Folgen auf den Zapfen, zwischendurch vertilgt es die winzigen Samen, die es mit ihrem spitzen Schnabel herausgepickt hat.

Buntspecht-Weibchen dreht den Zapfen in der Spechtschmiede herum

Nach einer ganzen Weile nimmt der Vogel den Zapfen aus der Mulde heraus, dreht ihn herum, um ihn dann wieder in die Vertiefung der Schmiede hereinzustecken. Wieder beginnt das Buntspecht-Weibchen den Zapfen intensiv zu bearbeiten.
Aus etwa acht Metern Entfernung versteckt hinter einem Baum, beobachte ich die Szene. Meine Freude, das Buntspecht-Weibchen an der Schmiede zu beobachten und zu fotografieren, ist riesengroß. Kaum eine Stunde ist seit unserer Ankunft an diesem idyllischen Ort im Wald vergangen. Ich bin mir bewusst, dass das Glück an diesem Morgen auf meiner Seite war.

Buntspecht-Weibchen bearbeitet einen Zapfen